Public Disgrace: Die (einvernehmliche) Öffentliche Erniedrigung

 

Steve Holmes in Berlin im Sommer. Das bedeutet ganz sicher eins, es wird heiß. Frage: Wie heiß? Verdammt heiß, spätestens wenn in sexy Dessous über die Oberbaumbrücke auf allen Vieren gekrochen wird. Spätestens wenn Radfahrer fast auf die Fresse fliegen, weil sie nicht glauben können, was sie gerade gesehen haben. Spätestens wenn eilig herbeigerufene Polizisten oder das Ordnungsamt wieder abziehen müssen, weil alles, was bei Public Disgrace getan wird, legal ist.

img_0462Steve Holmes kennen einige bereits aus seinen Hardcorefilmen. Seinen Namen hat er in Anlehnung an den bekannten Pornostar John Holmes aus den 70er Jahren gewählt. Mitte der 90er Jahre drehte er seinen ersten Pornofilm und stieg innerhalb kürzester Zeit zu Deutschlands international meistgebuchten männlichen Darsteller auf. In den Jahren 2005 und 2006 erhielt er den begehrten AVN-Award als „Bester Darsteller“ aus dem Ausland. Weltbekannt wurde Steve Holmes allerdings erst mit seiner Serie Public Disgrace. Dabei geht es um die spielerische Erniedrigung einer oder zweier Frauen (die Subs) im BDSM-Stil durch einen männlichen oder weiblichen Dominos an öffentlichen Plätzen wie dem Brandenburger Tor, Kudamm oder Alexanderplatz. Danach wird in ein Café, Club oder gar Restaurant gegangen, wo es dann richtig abgeht. Alle, die wollen, sind zum Zuschauen oder spontanen Mitmachen eingeladen. Getränke sind gratis, fi**** tun aber nur die Profis.

img_0521Mit seiner Crew zieht er jedes Jahr von Stadt zu Stadt und sorgt für ordentlich Aufregung. Nur wenige Formate sind derzeit so bekannt wie Public Disgrace. Wer denkt, es handelt sich hier nur um ein etwas krasseres Programm als normal, der war noch nie live dabei. Lullu und ich hatten das Glück als Darsteller gebucht zu werden und ich kann euch somit aus erster Hand berichten, was da abging. Soviel kann ich schon mal sagen, es war eine völlig neue Erfahrung für mich und ist mit dem üblichen Darstellerdasein nur schwer zu vergleichen. Was mich erwartete bei einem solchen Dreh, war mir bereits bekannt aus seinen Filmen und einigen Erzählungen. Denn schon im Vorgespräch warnte er mich davor, es nicht zu locker anzugehen. Denn was wir tun, ist zwar legal, nichtsdestotrotz eine Gradwanderung auf Messers Schneide. Etwas zu viel Spanking auf der Straße oder die falschen Leute im Hintergrund und es ist illegal…

img_0455Am 15.07.2015 war es endlich soweit. Lullu und ich waren zu 9 Uhr in ein Hotel am Lützowplatz bestellt. Steve öffnete uns die Tür. Er hatte ein ganzes Apartment gebucht. Den Platz brauchte er auch für seine ganzen Requisiten wie Peitschen, Dildos, Klammern, Seile, Ketten, Handschellen, Pugs, Masken und einige Outfits für die Girls. Lullu ging gleich in die Maske und ich hatte Zeit, mich mit den rumliegenden Spielsachen anzufreunden sowie einen ordentlichen Kaffee zu trinken. Nach und nach trafen weitere Leute ein. Sie gehörten alle zum Team. Drei Kameraleute, zwei Fotografen, etwa 6 Sethelferinnen und ein Mann für alles (außer für den Garten 🙂 Jeder wurde mit einem Walkie-Talkie ausgestattet, so dass Steve während des Drehs immer die Möglichkeit hatte mit allen in Verbindung zu stehen. Das war gut so, denn – wie ich schon sagte – es ist nicht ganz ohne, sowas abzudrehen.

Steve hatte sich im Vorfeld genau über die Gesetzeslage informiert und weiß genau, was er darf und was nicht. Um kurz auf die Gesetzeslage und die Gleichschaltung von Männern und Frauen einzugehen: Alles was bei Public Disgrace gezeigt wird, ist völlig legal. Solange es mit einer Frau ist, die dominiert wird und kein Mann. Denn das wäre strafbar. Sorry, liebe männliche Sklaven.

img_0549Für die ersten Außenaufnahmen entschied Steve sich für die Oberbaumbrücke, die Friedrichshain mit Kreuzberg verbindet. Mit zwei vollen Vans fuhren wir gegen 12 Uhr los. Lullu war die Aufregung ins Gesicht geschrieben, von der aber nichts mehr zu sehen war als der Dreh startete. Julie war die Dom und Lullu die Sub. Steve hielt sich diesmal im Hintergrund und gab fleißig Anweisungen durch sein Walkie-Talkie. Ich konnte mir die Szenerie von nahen anschauen und war mindestens genauso geschockt bis erregt wie umherlaufende Passanten. Als Lullu dann endlich blank zog und über den Boden krabbelte, feuerten sie ein paar Passanten an. Eine Straßenmusikergruppe kam jetzt auch in Wallungen und klimperten wild auf ihren Instrumenten. Radfahrer verdrehten sich sprichwörtlich den Hals beim Vorbeifahren. Mir wurde klar, dass dies hier etwas besonderes war. Nach etwa 15 Minuten war es schon vorbei. Steve gab Anweisungen an alle: „Zurück zum Van, Abfahrt in 3 Minuten.“ Er versuchte stets die Aufnahmezeiten kurz zu halten, um unnötigen Stress mit Behörden oder Passanten zu vermeiden.

Wir wollten gerade losfahren, als eine ältere Frau um die 50 zu uns an den Van kam und mit Steve sprach. Sie unterhielten sich kurz und natürlich wollte ich wissen worüber sie sprachen. Er erzählte mir, dass diese Frau schon lange ein Fan von Steve Holmes ist und bot sich als Sub für die nächste Produktion an. Unglaublich. Ich war überrascht, aber nicht geschockt. Nächster Halt Siegessäule. Dort wurde Lullu dann von Julie nochmal so richtig rangenommen. Also mit Paddel und Klammern verwöhnt. Wieder konnte ich sehen wie einige Passanten uns aus sicherer Distanz beobachteten. Man spürte richtig die Erotik in der Luft und ich glaube, bei dem einen oder anderen Mann wurde es in der Hose auch ziemlich eng. Nach weiteren 15 Minuten hieß es dann: „Zurück zum Van, Abfahrt in 3 Minuten.“

img_0569Wir fuhren in eine Bar am Rosenthaler Platz. Der Besitzer wusste selbstverständlich Bescheid und alles war abgeklärt. Den Gästen wurde schon am Eingang gesagt, dass hier ein Porno produziert wird und sie herzlich eingeladen sind dem beizuwohnen. Unter Abgabe einer Einverständniserklärung mit ID-Shots für die Aufnahmen dürfte man mit interagieren. Beispielsweise mal mit dem Paddel auf den Po hauen. Oder Münzen in einen Münzbeutel werfen, der wiederum mit Klammern an den Schamlippen befestigt war. Ich weiß nicht exakt warum, aber wir sammelten gut Geld ein und der Beutel wurde Zusehens schwerer und damit auch das vermeintliche Leid der Sub. Jetzt begann der wahre Hardcoreteil der Produktion und ich brachte mich auf einer Couch in Position. Mir gegenüber saßen etwa 10 Personen, Gäste, Pornohungrige wie auch immer; sie klatschten in die Hände als Lullu auf allen Vieren in Richtung meines Schrittes kroch. Schnell fand sie etwas in meiner Hose, was ihr und mir gefiel. Immer mehr Gäste bildeten langsam einen Kreis um uns herum und staunten mit offenen Kinnladen. Steve unterbrach kurz und deutete auf die Kameramänner hin, die genügend Platz brauchten für ihre Aufnahmen. img_0817Aus dem Kreis wurde ein Halbkreis. Steve kam nun auch dazu. Seite an Seite sitzend ließen wir es uns gutgehen. Die Zuschauer kamen jetzt mit ihren Handys immer näher und fingen an nach Selfies zu fragen, während wir bedient wurden. Schließlich wurde es heftiger. Wir zeigten, was wir beim Porno gelernt hatten und so kam es wie es kommen musste. Nach einer kleinen Trinkpause wurde das Finale eingeleitet. Steve hockte sich als erster über Lullu und brachte seinen Cumshot unter dem Gejohle der Anwesenden hervor. Bei mir war es nun 1 Minute vor 12 und ich positionierte mich ebenfalls über Lullus Kopf. Ich spürte schon den aufsteigenden Druck in meiner Fleischpeitsche als plötzlich aus dem Off hinter uns ertönte: „Cut! Stop! Die Polizei!“ Tatsächlich, zwei freundliche Beamte standen an der Eingangstür und wollten wissen, was abgeht. Steve und der Besitzer sprachen mit ihnen. Die Polizisten schauten verwundert, als Steve ihnen eine ordentlich aufbereitete Mappe mit Gesetzestexten unter die Nase hielt. Sie zogen wieder ab, baten aber darum, die Aufnahmen für heute zu beenden. Steve stimmte zu. Ich nicht, ich wurde allerdings auch nicht wirklich gefragt. Ahhhh, so kurz vor dem Cumshot zur Aufgabe gebeten zu werden passiert echt nicht oft. Eigentlich nie. Ok, egal, es hieß wieder: „Zurück zum Van, Abfahrt in 3 Minuten.“ Wir fuhren wieder zum Hotel zurück. Mittlerweile war es jetzt 19 Uhr durch. Die Zeit verging viel zu schnell. Steve lud uns alle noch abends zum Essen ein. Was wir dankend annahmen, da so ein Dreh echt hungrig machte. Steve erzählte uns später noch Anekdoten aus der Vergangenheit und über die Anfänge von Public Disgrace. Wir waren fasziniert  und ich versprach ihm, einen Bericht darüber zu schreiben. Was ich hiermit getan habe. Also haut rein und vielleicht trifft man sich ja mal auf der Straße in einer ungewöhnlichen Situation.

Jason Steel

Text und Bilder aus der DD 05/2015

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