Heroine L. Jackson: Zwischen Partnerwechsel und Pornographie

Heroine L. Jackson

Heroine L. Jackson ist Erotikautorin. Sie gehört zu der Generation, die Erotik keiner Zensur mehr unterstellen möchte. Sie will sich nicht vorschreiben lassen, welche Wörter mit F in einer Sexgeschichte erlaubt oder verboten sind, was schon als Pornographie und was noch als Erotik gilt.

Überhaupt empfiehlt sie Grenzen nur für das Ausleben sexueller Ausschweifungen. Wo Phantasie jedoch Bilder in Worte fasst, sind geistige Schranken ihrer Meinung nach nur ein Hindernis. Und der Erfolg ihrer E-Book Reihen gibt ihr recht. Seit fünf Jahren ist Heroine L. Jackson freie Schriftstellerin. Die pornographischen Inhalte ihrer Geschichten sind nachgefragt. Sie beschreibt explizit das, was unterschlagen als Tabu gilt: echter Sadomasochismus, Vampirismus und Sexorgien. Ihr Erfolg belohnt nicht nur ihre phantasievolle Ehrlichkeit und ihren Willen wörtlich direkt zu sein – er demaskiert auch die heimlichen erotischen Vorlieben der Deutschen, zumindest, was ihr Kopfkino angeht. Wie Heroine L. Jackson zu ihrem Namen und zum Schreiben kam, warum Vampirus sich als geeignet für Kopfkino erweist und wo die Autorin frivol feiern geht. Für unser Magazin zeigt sich die Schriftstellerin einmal selbst demaskiert. Zumindest in Wort und Antwort.

Als E-Book Autorin für Erotik und Pornographie heißt Du Heroine L. Jackson, wie bist Du zu diesem wunderschönen Namen gekommen? Welche Botschaft transportiert er?
Heroine L. Jackson: Meinen Namen hab ich tatsächlich von meinen Eltern bekommen. Sie haben mich Heldin (Heroine) genannt, weil sie glaubten, dass ich dann in der wilden Welt hier besser bestehen kann. Das L. (steht für Love) habe ich eingefügt, um meinem Namen eine eigene persönliche Note zu geben.

2_HerrenabendDa Du bewusst pornographische E-Books schreibst: Wo ist der Unterschied zwischen Erotik und Pornographie? Oder anders gefragt: wo hört Erotik auf, wo fängt Pornographie an?
Heroine L. Jackson: Ich mag es eigentlich nicht Grenzen zu ziehen. Pornographie ist auf jeden Fall auch erotisch. Es kommt auf die Spielarten an, auf die Partner, auf die Situation. Für mich kann es genauso erotisch sein gleich hart zur Sache zu kommen, wie eine sanfte Verführung, die sich über eine lange Zeit hinzieht. Über Sex zu schreiben ist schon erotisch, egal ob hart oder soft….

Mit wie viel Jahren hat es Dir Pornographie angetan? Du führst ja selbst ein sehr unkonventionelles Leben, dürfen wir aus Deinem persönlichen Reich der Erotik etwas erfahren? Wie stehst Du zum Beispiel privat Orgien gegenüber oder einer Ménage-à-troi?
Heroine L. Jackson: Ich habe als junges Mädchen, bei Freunden meiner Eltern zufällig pornografische Literatur in deren Bibliothek entdeckt. Ich war sofort fasziniert und natürlich auch angetörnt. Zuhause hatte ich dann eine Weile später die Pornofilme meiner Eltern im Visier, sie heimlich angeschaut. Beides hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.
Private Orgien sind für mich als Thema aber am spannendsten, weil alle Beteiligten meist genau wissen,  was geschehen wird. Natürlich ist auch Sex zu dritt etwas sehr schönes, wenn die Beteiligten zusammen passen. Da kann man ein aufregendes Spiel draus machen oder sich gegenseitig auch einfach nur entspannt verwöhnen.

Seit wann schreibst Du das Erlebte zu pornographischen Geschichten um?
Heroine L. Jackson: Ich hab schon früh versucht, sexuelle Tagräume aufzuschreiben. Nachdem ich zum ersten Mal Sex hatte, schrieb ich das auf, weil es beeindruckend für mich war. Es wurde zu einer Art Ritual – Sex und Schreiben. Irgendwann wurden aus den Aufzeichnungen kleine Geschichten, das war aber keine bewusste Entscheidung. Ich mach das also schon sehr lange. Veröffentlicht lesen kann man meine Geschichten allerdings erst seit vier oder fünf Jahren.

Deine E-Book Geschichten enthüllen auch Tabus; welche davon praktizierst Du selbst denn regelmäßig? Oder zumindest ab und an?
Heroine L. Jackson: Da gibt es schon vieles, was ich ausprobiert habe. Vieles hängt vom Partner ab. Partnerwechsel lassen einen vieles anders und eigentlich auch immer wieder neu erleben. Es ist aufregend schön an Grenzen zu gehen und ab und an dann ein Stückchen weiter. In der Realität geht das nicht immer, aber eben in Geschichten. Grenzen und Tabus hat jeder. Ich natürlich auch 😉 Ich mag es zum Beispiel sehr, wenn mehrere Menschen beteiligt sind.

5_Masochistin_dtEntsprechen die Settings Deiner Geschichten realen Orten, an denen Du Dich verführen lassen würdest?
Heroine L. Jackson: Ja, auf jeden Fall! Settings, die mir beim Schreiben in den Sinn kommen sind Anreiz für die Realität. Reales wiederum wirkt ein auf Phantasie“

Ein aktuelles Tabuthema, über das Du schreibst ist Vampirismus. In den letzten Jahren ist dafür ein eigener Erotikmarkt gewachsen. Du hast schon mehrere Geschichten darüber geschrieben. Was ist der Reiz daran?
Heroine L. Jackson: Für mich ist der Reiz, dass es sich bei Vampiren um einen Mythos handelt. Man verfällt ihm. Bei mir ist das zumindest so… Vampire scheinen einerseits menschlich, andererseits sind sie fast wie zerbrechliche Superhelden mit besonderen Kräften. Sie verkörpern das Dunkle und leben ausschließlich von Blut: unserem Lebenssaft. Für mich ist das sehr sexy und faszinierend. Ich werde sicher auch weiterhin über dieses Thema schreiben!

Ich kann mir vorstellen, dass das eher ein Frauengenre ist, wie kommen in Deinen Geschichten Männer auf ihre Kosten?
Heroine L. Jackson: Männer, ihr müsst euch drauf einlassen… Ich komme in vielen meiner Kurzgeschichten sehr schnell zum Punkt oder besser gesagt zum Höhepunkt. (lacht)

Noch eine Frage zu Dir als Privatperson, von Shanghai bis Toronto und Berlin treibst Du überall Dein Unwesen, organisierst sogar in unterschiedlichen Städten erotische Events. Was geht in Shanghai ab, was hier in Berlin nicht geht? Und was in Berlin, wovor Toronto seine Türen schließt?
Heroine L. Jackson: Berlin ist grundsätzlich freier und liberaler als Shanghai und Toronto zusammen. Shanghai ist aber weltoffen und westlich geprägt, was das Nachtleben betrifft: Es gibt schon extrem tolle Clubs in Shanghai, eine super Künstler- und Fetisch Szene, die sich aber eben in Locations fernab jeden Greenhorn Tourismus trifft.

Anregungen, die Du dort gewinnst, bringst Du ja sicherlich für uns in Deinen E-Books unter, oder?
Heroine L. Jackson: Natürlich tue ich das, in Kürze veröffentliche ich übrigens meine erste Kurzgeschichte die in Shanghai spielt…

Versprochen? Auch, dass du niemals Softerotik schreibst?
Heroine L. Jackson: Versprochen!

Das Interview führte Petra Lang

Text & Bilder aus der DD 02/16

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