Porn Film Festival

Porn Film Festival- das klingt ein wenig nach Leuten, die in Kinosälen herum sitzen, und sich tabulose Filme anschauen während sie sich dabei befriedigen, oder? Wer schon etwas länger in Berlin lebt oder sich für das Thema „Pornografie“ interessiert, weiß natürlich,   dass der erste Gedanke dazu absurd ist, denn hier geht es definitiv um mehr als Porno und Wichsen. Hier geht es um die Kunst-Form „Pornografie“…

KINO2Das 8. Porn Film Festival, das im Kino Moviemento am Kottbusser Damm vom 23. bis 27. Oktober 2013 unter dem Leitmotto „Cruising und Fetisch“ stattfand, war definitiv erotisch. Aber nicht nur. Es war auch nachdenklich, inspirierend, praktisch, informativ, kommunikativ und sehr international. Das Festival ist ein Filmfest der Queer-Bewegung und bildet so einen interessanten Kontrapunkt zum Mainstream- Porno. Es möchte eine gesunde und offene Sexualität im ganz normalen Film etablieren und dazu wurden Filme gezeigt wie „Mommy is Coming“, eine lesbische Komödie, die in großen Teilen im „Axel Hotel“ in Berlin Schöneberg spielt. Auch internationale Pornostars wie Jiz Lee zeigen hier ihre Werke wie „The Crash Pad“. Ihr Film, in dem sie mit einem queeren Mann „spielt“ und ihn auch mit einem Strap- On königlich verwöhnt, gehört für mich als leidenschaftlicher Porno- Liebhaber zu den erotischsten Filmen, die ich je gesehen habe. Das liegt an einer gewissen Natürlichkeit und Kantigkeit, die auch schon den Amateurfilmern große Erfolge bescheren. Zwar werden in diesen „FairSex“ oder auch „Feminist Porns“ konsequent Kondome getragen- auch über Dildos und Strap- Ons-, oder Schamhaare zelebriert, doch ansonsten sind es Filmsettings wie ein schmuckloses Bett, ein schmuddeliger Hinterhof, ein rudimentär zusammengezimmerter Swingerclub und vor allem nicht dem allgemeinen Schönheitsideal komplett entsprechende Akteure in oft ganz schön schräger Aufmachung und Geschlechtsauffassung. All das fühlt sich nach: Wie Du bist, wo Du bist, was Du auch immer (sein) willst – hier darfst Du es sein. Hauptsache, es tut den Beteiligten in welcher Weise auch immer gut. Natürlich beschäftigt sich das Festival dabei mit möglichst jeder Seite der Sexualität. Der Film „Julia“ von J. Jackie Baier aus dem Jahre 2013 zum Beispiel begleitet über mehrere Jahre das Schicksal der Transsexuellen Julia. Sie wuchs als Jaroslav in dem kleinen Ort Kleipeda in Litauen auf, war zuerst ein viel versprechender Kunststudent, aber fühlte sich immer schon sehr weiblich. Durch die Liebesbeziehung zu einer örtlichen Prostituierten fing sie an, ihren Körper an Seeleute zu verkaufen. Irgendwann zog es sie in das tolerante Berlin, wo sie seit 2003 eine feste Größe auf dem Straßenstrich an der Bülowstraße ist. Die ziemlich dunklen Seiten des Filmes würden viel zu sehr zu Herzen gehen, wäre Julia nicht eine sehr starke Frau, die sich auch durch ihre schwere Drogensucht hindurch immer wieder den Ast lacht, auf dem sie sitzt. Wer ihr helfen möchte, wende sich gerne an die Regisseurin Jackie Baier. Es gab neben den Filmen auch eine Menge Workshops mit Pornofilmern und Pornogrößen zu erleben, wie etwa den „Salon Cyperpunk Porn“ von Chu Lea Cheang, die einen sehr sehenswerten Film über die erotischen Erlebnisse einer Androidin gemacht hat, der bewusst im „Blade Runner“- Setting angelegt ist (I.K.U., Japan, im Jahre 2000) Er wird im kommenden Jahr eine Fortsetzung bekommen, die zu einem großen Teil in Berlin gedreht werden soll. Achtung: Es werden Darsteller gesucht…
Andere, wie Jennifer Lyon Bell (Amsterdam) und HPG (Künstlername, Frankreich) gaben Kurse im „Selbst Porno machen“ und dabei viel Hintergrundwissen zu Gehör. Jeden Abend konnten sich Interessierte im „Ficken 3000“ in der Urbanstraße zur Party treffen und am letzten Abend ging die ganz große Sause im „Monster Robson´s Ichiban Karaoke“- Club in der Warschauer Straße ab, wo man in kleinen Kabinen „spielen“, toll tanzen oder seinen eigenen Porno machen konnte.

Fazit: Es war wirklich toll. Der etwas flach anmutende Name verheißt viel weniger, als auf dem Porn Film Festival wirklich zu erleben ist. Ich werde im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein und empfehle das auch unseren Lesern.

Autor: Axel Kohfeldt (in DD 01/14)

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