Ingeborg Middendorf: Der Mann, der nicht küsste

Der Mann, der nicht küsste

Der Mann, der nicht küsste

Lebensgier und Sinnlichkeit, das ist es, worum es in Middendorfs Buch geht. Auch Frauen nach den Wechseljahren leben Sex und Sinnlichkeit – aber damit wäre ja nur eine nicht oft bewertete Oberfläche angekratzt. Nein, in diesem Roman zeigt eine Frau, dass auch sie nicht nur ihr Liebesleben selbstbestimmt, sondern sich auch nicht der Heulerei anheim gibt, wenn es sich um Sex ohne Romantik handelt.

Der Mann, der nicht küsst, heißt Orkan und ist Türke. Er besucht die Erzählerin, eine Frau um die 60, regelmäßig. Und genauso reguliert lässt er, der Jüngere und Fremde, sie zappeln. Sie begehrt, verführt und lässt sich hinreißen.
Abenteuer und Nähe, der Reiz des Fremden und der Zwiespalt zwischen verschiedenen Kulturen, die Einsamkeit einer Mutter, deren Sohn bereits unabhängig ist, der Furcht vor dem Älterwerden und pure Lebensgier: das sind die Spielräume, in denen Middendorf ihre Hauptfiguren sich entfalten lässt.

Trotzdem Orkan sich gelegentlich nicht bei zu Beglückenden manchmal tagelang nicht blicken lässt, gleitet Middendorfs weibliche Hauptperson nicht ab ins Weinerliche oder Lächerliche.
Leider verzichtet die Autorin auf Satzzeichen wie Dialogkennzeichnungen der wörtliche Rede, so überbleibt es dem Leser, sich Gedachtes und Gesagtes zu unterscheiden.
Pornographisches gleitet nie ins Billige ab und auch jüngere Frauen bestätigen, mit dem Buch viel anfangen zu können.

„Der Mann, der nicht küsste“ ist eine auf knapp 200 Seiten kongruent erzählte Geschichte einer erfüllten sexuellen Beziehung, die durch ihre Umstände sehr beschränkt ist und genau deshalb spannend bis zum Schluss bleibt: Wird Orkan seine Geliebte doch noch küssen?

Das ist vielleicht gar nicht so wichtig, viel eindrücklicher ist das Statement der Erzählerin: „Ich will alles mit ihm leben, was möglich ist, und dann will ich weitergehen.“

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