Die Piraten der Pornographie: Oder: Wie die „Art Porn Week“ nichts zu bieten hatte außer hochprozentige Getränke

Früher verband man mit Piraten ja coole Rebellen, die das Establishment aufmischten. Später verkörperte ein wahnsinnig sexy Johnny Depp den Freibeuter in einer bekannten Filmreihe. Dann kam mit der Piratenpartei ein neuer Typ Pirat auf – junge Hipster mit Geltungsdrang, die es nach achtjährigem Bestehen immer noch nicht auf die Reihe bekamen, ein Parteiprogramm aufzustellen und einzig mit Skandalen punkteten.

02Ähnlich der politischen Schmierenkomödie war ein Besuch bei dem Künstlerverein „Mindpirates“, der vom 12. bis zum 15. Juni eine „Art Porn Week“ veranstaltete. In den versifften, aber ach so trashig-berlinerischen Räumlichkeiten der Schlesischen Straße 38 (im Übrigen ein verlassenes Kesselhaus am Ufer der Spree) warben internationale Künstler mit so griffigen Namen wie „Pussykrew“, „Suka Off“ oder „Lady Gaby and the Dildo Orchester“ mit angeblichen „Intensitäten“ und kuriertem Programm aus Lichtinstallationen, Klangspielen, Videoeinblendungen, Performances und Workshops.
Die Intention der wild durcheinandergewürfelten Provokationen mit Gummipuppen, abstrahiertem Sperma, Stöhn-Tönen aus Lautsprechern, Filmchen und unverständlichen Darstellungen von unglaublich asexuellen „Künstlern“ war nicht richtig abzusehen, erst nach Recherche konnte festgestellt werden, dass die „Mindpirates“ es wohl darauf anlegen, sich kritisch mit dem Verhältnis von Kunst und sozialer Wirklichkeit auszusetzen (siehe Homepage). Ahja.
In der Umsetzung hieß das: Alle, die so überhaupt nicht prüde sind, die angesagtesten Klamotten und größten Nerd-Brillen der Stadt tragen, versammeln sich bitte bei unglaublich hochprozentigen Absinth- und „Satyr“likör-Drinks und staunen in trendiger denglischer Sprache über platte Schweinereien wie das filmische Analfingern eines unbekannten Herrn von mehreren mal behandschuhten und mal jungfräulich-bloßhändigen Damen. Im Hof konnte gemütlich auf gelbgrellen Atommüllfässern geplauscht werden oder ab und an den diffusen Aussagen von spanischen Drogenabhängigen, die trotz Undercut, fragwürdigen Visagen und unförmigem Körperbau gern „ganz andere und unkommerzielle“ Pornos drehen und sich dabei Nadeln in die Brust rammen, gelauscht werden. Die vielgepriesenen Rauminstallationen und Gesamtkunstwerke bestanden aus – wie nett und interkulturell – dem Mix von zahlreichen hell- und dunkelhäutigen Gummipuppen, roten Neon-Röhren, an Bondage erinnernde Seillabyrinthe mit einzelnen Polaroids von verzerrten Körperteilen und einer Nylon-Kreation von etwas, das fern an heruntertropfendes Sperma erinnerte. Die Lampen waren aus Pappmaché und sahen aus wie Geschlechtsteile. Eine einsame Fotografie einer Penis-Bananen-Analogie hing neben einem Spiegel, der selbstbewusst „You are the reason that somebody masturbates“ von sich gab. Im sogenannten Vereinsheim gab es einen Dark Room mit Utensilien neben der Bar, den so recht niemand benutzen wollte, ebenso wenig wie das von Kerzenwachs verkleisterte Obstbuffet.
01Neben dem subversiven Baumarkt-Seil-Kunstwerk stand der Macher und prahlte vor Freunden, er hätte sein großes Werk erst wenige Minuten vor der Eröffnung der „Art Porn Week“ fertig gestellt, das wäre ja alles soooo kurzfristig und edgy gewesen. Anscheinend hatte auch niemand damit gerechnet, dass trotz gepfefferten 8 Euro Eintrittspreis die Bude voll wird. Das Programm war an diesem Freitag Abend bereits zwei Stunden im Verzug, in den Räumen, wo eine „Performance“ stattfinden sollte, konnte man nicht treten, ohne in einen klaustrophobischen Strudel gerissen zu werden, zumal trotz wartenden Publikums einfach nichts stattfand. Vielleicht hätte Eure verehrte BERLINintim-Reporterin noch mal zwei Stunden ausharren sollen und sich x weitere Absinth on Ice hinterkippen sollen, aber so weit ging die Liebe zur Kunst dann doch nicht.

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