Frech-Frivoles-Festival: Unsere ersten Treffen galten als „Schweinkramm“…

Das Frech-Frivole-Festival lädt auch dieses Jahr ein „zum Sex + 1. Mal – Platz für Schweinkram und Erotik“. Dieses kleine, aber feine Film-Festival hat sich in den letzte Jahren einen festen Platz im Bereich Film & Erotik in der Hauptstadt erkämpft und gilt heute durchaus als ein Insider-Tipp unter den filmbegeisterten Berlinern und Touristen. Wir sprachen mit Dietmar Schürtz, dem Kopf und Macher hinter (und auch vor) den Kulissen, über die Entstehung und den Kunst uns Erotik.

StripshowDas erste Frech-Frivole-Festival fand im Jahr 2000 statt und kann inzwischen durchaus als eine etablierte „Erotik-Festival-Größe“ in der Hauptstadt angesehen werden. Wie kam es aber überhaupt zu diesem Festival?
Dietmar Schürtz: Die Amateurfilmgruppe 82 Berlin hatte sich in der DDR gegründet. Ich war Mitinitiator und Motor dieser Filmgruppe, die schon damals als eine außergewöhnliche Filmgruppe bekannt war.
Unsere ersten erotischen Streifen wurden als „Schweinkram“ bezeichnet und oft belächelt. Filme, die unter die Gürtellinie gingen wurden der Filmgruppe nachgesagt. Doch wir machten weiter.
Was verwundernd war, dass wir schon in der DDR mit offizieller staatlicher Billigung Softerotik zum „Thema Nummer eins“ im Amateurfilmschaffen öffentlich vorführen durften. Ich blieb auch nach der Wende diesem Genre treu.
Somit entstand nach und nach der Wunsch nach einem Festival für freche Filme. Im Jahr 2000 war es dann soweit. Das „Frech-Frivole-Festival“ für Kunst, Erotik und Satire wurde von uns ins Leben gerufen. Viele Interessenten und Neugierige waren deutschlandweit angereist um zu erfahren, was sich hinter diesem Festival verbirgt.
Im „Theater am Park“ in Berlin-Biesdorf versuchte ich mit meinem Team die Besucher und Autoren mit kleinen erotischen Gagfilmen in die Atmosphäre der Veranstaltung einzustimmen. Eine lange Nacht mit allerlei zum Gucken und Mitmachen war überstanden. Eine erotische Live-Show trug am Abend zu einer knisternden Festivalatmosphäre bei.
Dank der Sponsoren Orion-Verlag in Flensburg und Beate Uhse Museum in Berlin gab es Sachpreise für die besten Filme und für die beliebte freche Tombola. Nach diesem Festival war klar – wir machen weiter.

PreiseWie viele Film-Beiträge hatten Sie im Entstehungsjahr, wie viele sind es heutzutage?
Dietmar Schürtz: Zu unserem ersten Festival hatten wir über 40 Filmeinreichungen, wovon 28 Filme im Wertungsprogramm gezeigt wurden. Eine Auswahlgruppe schaute alle Filme vorher an und entschied, welche Beiträge im Programm gezeigt wurden. Oftmals spielte die technische Qualität eine Rolle. Manche schickten ihre Urlaubsfilme, wo eine Nackte am Strand lag und sonst nichts passierte. Solche Filme entsprechen natürlich nicht unserem Reglement.
Heute bekommen wir manchmal weniger Filme. Dafür sind sie inhaltlich wertvoller und es sind richtig gute Geschichten, egal ob Spiel-, Doku-, Animations- oder auch Experimentalfilme. Ein Festival lebt von seinen Filmen. Ein Festival kann nur so gut sein, wie die Filme, die eingereicht werden.

Das Thema Erotik ist ja nicht jedermanns Geschmack. Sind es nur deutsche (männliche) Hobbyfilmer, die was einschicken/mitmachen? Und wer darf überhaupt mitmachen?
Dietmar Schürtz: Wer für Erotik kein Auge und kein Ohr hat, der kommt auch nicht zu uns. Es sind Filminteressierte, Hobbyfilmer mit ihren Frauen und natürlich die Autoren der eingereichten Filme. Zum 6. Festival hatten wir sogar mehr Frauen als Männer im Saal.
Filme einreichen und mitmachen darf jeder Filmamateur, Student und nichtprofessioneller Filmemacher. Wir sind ja ein Internationales Festival und somit kommen auch Filme aus vielen anderen europäischen Ländern zu uns.
Die Bewertung der Beiträge erfolgt dann in den einzelnen Genres und Kategorien.

Wie pornografisch und/oder erotisch sind die eingeschickten Beiträge? Mussten Sie schon welche ablehnen, weil sie „zu hart“ waren?
Dietmar Schürtz: Das Reglement sagt deutlich aus, welche Filme für unser Festival gesucht werden. Es ist nicht nur ein Hetero-Festival, wir sind also auch offen für Schwulen- und Lesbenfilme.
Man sagt ja Erotik inspiriert die Kunst und gleichermaßen inspiriert die Kunst die Erotik. In einer Zeit, in der schon alle Grenzen überwunden sind, sind auch der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Sicher mussten wir auch schon einen Film ablehnen, so auch ein Zeichentrickfilm, in dem sehr oft mit Natursekt gespielt wurde.
Sicherlich ist für viele der Begriff „Kunst“ sehr weitläufig. Aber wir achten darauf, was wir unseren Zuschauern zumuten können. Es gab noch keine An- oder Verstöße gegen die „guten Sitten“, dagegen viele künstlerisch-erotische Spielhandlungen zum Lachen, Lächeln, Nachdenken und auch zum Nachmachen.

Wer entscheidet, welcher Film gewinnt?
Dietmar Schürtz: Eine Jury, die sich aus Filmemachern, Malern oder auch Fotografen zusammensetzen kann. Es wird die Wirkung, die Machart, die Erzählstruktur und Umsetzung des Themas bewertet. Oftmals entscheidet auch das Bauchgefühl.
Zum Ende der Filmpräsentation wird eine Publikumswertung mittels Stimmzettel vorgenommen. Solch eine Publikumsentscheidung konnte auch schon mal überraschen.

Was war in Ihren Augen der erotischste Beitrag, den Sie bisher gesehen haben?
Dietmar Schürtz: „On Top Down Under“- ein Film der Ziegler Film-Produktion aus der Reihe „Die schönste Sache der Welt“. Da war absolute Stille im Saal. Der Film hatte so viele erotische Momente und eine tolle Kameraarbeit.
Desweiteren hatten wir sehr erotische Trickfilme von der Filmhochschule Babelsberg, die auch mit Preisen ausgezeichnet wurden.
Für die kunst-erotischen Filme spielt auch für mich das Kopfkino eine große Rolle.

erotische KostprobeWie viel Zuschauer haben Sie im Schnitt auf der Veranstaltung und wie viel würden Sie sich denn wünschen?
Dietmar Schürtz: Im Schnitt besuchen unsere Veranstaltungen ca. 100 Personen. 120 würde ich mir wünschen, dann ist der Saal ausverkauft. Wenn der Saal zu groß wird, dann geht auch das prickelnd erotische Flair verloren. Also lieber im engeren Kreis von Interessenten. Bei einfacher Kinobestuhlung würden auch 180 Personen Platz finden. Da wir aber immer ein Life-Programm bei unseren Veranstaltungen anbieten –  z.B. Burlesque Tanz, Strip oder andere Tanzshows – brauchen wir den Platz auch dafür. Desweiteren haben wir auch immer noch eine Aktfotoausstellung oder erotische Malerei im Saal platziert.
Mit Unterstützung der FiViA – Berlin ist es nun schon das 7. Festival für alle, die jung und offen geblieben sind für Erotisches, für Frivolitäten und den prickelnden Moment im Leben. Es ist kein übliches – sondern ein anderes Festival für Kunst, Erotik und Satire.

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