Domina am Werk: Von Bizarr bis Fetisch – Besuch eines Dominastudios in Berlin

Ich treffe mich heute mit der Domina Susanne und deren Kollegen aus dem Studio ‚Hart oder herzlich‘ in Berlin. Sie gewährten mir Einblicke in die Welt des BDSM und halfen mir, das ein oder andere Fragezeichen und die vagen Vorstellungen aus meinem Kopf zu radieren.

Eine Domina...

Eine Domina…

Ja, mich packte die Neugier! Wie sieht so ein Studio aus? Wie sind Dominas? Decken sich Realität mit den Erzählungen in der Gesellschaft? Was machen „die“ eigentlich? Wer kommt zu ihnen? Was bewegt die Kunden zu derartigen Sex-Treats? Also, fragte ich bei verschiedenen Studios an, ob ich einmal deren Atmosphäre „schnuppern“ und deren Arbeit begleiten darf! Es ist schwierig ein Studio zu finden, welches sich in die Karten schauen lässt! Doch ein Studio hat für mich die Pforten der geheimnisvollen Welt des BDSM, SM´ler, Sklaven, Masochisten, Fußliebhaber, Damenwäscheträger… geöffnet.

Ich klingle. Die Tür wird mir geöffnet! Ich bin erstaunt und überrascht! Das hätte ich nicht erwartet! Frau, lange, glatte blonde Haare! Nette Bluse, Lederhose, Stiefel, bürgerlich, kaum geschminkt! So macht mir Susanne die Türe auf! Die Ex-Domina erzählt mir, aus dem aktiven Geschäft habe sie sich zurück gezogen, und ziehe die Fäden in ihrem Studio nur noch im Hintergrund.

Zuerst stellt mich Susanne den Damen – den Dominas, Herrinnen, Mistressen, Bizarrladies vor. Wow! Da kommen wir doch dem, was sich mir unter den Vorstellungen einer Domina  in meinem Kopf breit machte, endlich nahe, z.B. Miss Diondra (Anm.d.Red. Auch wenn wir das Studio für diese Reportage besuchen dürften, wurden wir doch gebeten, die Namen aller hier genannten Damen nicht zu nennen. Daher verwenden wir frei erfundene Namen) – Lange, blond gelockte Haare. Komplett in Leder gekleidet. Hammerscharfe Langschaftstiefel, natürlich mit schwindelerregenden, dünnen, spitzen, hohen Absätzen! Knapper, kurzer Lederstreifen, der als Rock dient! Wespentaille eingezurrt in ein wahres atemberaubendes Lederkorsett. Nicht zu übersehen, das ausladende gut bepackte Dekolleté! Lange schwarze ledernde Handschuhe komplettieren das Outfit der sadomasochistisch-sadistisch angehauchten Herrin!

Lady Sandria dagegen ist sehr freizügig gekleidet. Viel samtene, schöne Haut blitzt mit der Lack-Korsage und -rock um die Wette. Sie haben durchweg eins gemeinsam: Neben Kompetenz, Humor, sind sie mit – und aus voller Leidenschaft hart oder herzlich dabei.

Hart aber herzlich

Hart aber herzlich

Ich werde durch die Räumlichkeiten geführt:
5 unterschiedlich eingerichtete Räume, nebst einer Terrasse stehen als  Bühne im Studio „Hart oder herzlich“ zur Wahl. In Kombination mit der auserkorenen Herrin, Lady, Mistress, Bizarrlady – ein willkommenes Eldorado für jeder Art Vorlieben, Träume und Fantasien.

So z.B. Zimmer 1: Ein typisch normales, heimelig anmutendes Schlafzimmer mit vielen Spiegeln, Frisierkommode. Die Schränke sind voll mit Kostümen, z.B. Nonne, Krankenschwester usw. Alltagstaugliche Kleidung jeglicher Modestile. Perücken, Schminke. Dieses Zimmer wird gerne für das Ausleben der Vorlieben von Männern, das Tragen von Frauenkleider bzw. Damenwäsche (der Femininisierung), aber auch für diverse Rollenspiele genutzt.

Zimmer 2 bringt das, für die Szene typische, Andreaskreuz zum Vorschein. Das nach Herzenslust zu Fesselspielen jeglicher Art anregt. Neben dem Bett befindet sich ein Bock für Strap-On-Spiele (anale Penetration mit „Umschnalldildo“). Dennoch fällt mir auch hier auf, entgegen meiner Vorstellungen und Recherchen im Web, dass das Zimmer eine absolute Gemütlichkeit ausstrahlt. Susanne erklärt, es ist ihr wichtig, dass die Räume eine Umgebung bieten, die den Kunden entspannen lassen. Das setzt gerade für Neulinge und Neugierige, die mal einen Abstecher in die Szene machen wollen, dem Alltag entfliehen wollen, Sex und Erotik mal anders kennenlernen wollen, eine abbauende Hemmschwelle. Sie sträubte sich gegen diese kalten, dunklen, fast schon klinisch-rein anmutenden Studios und setzt auf ein gemütliches, stylisches Ambiente.

Miss Diondra hat heute einen Klienten mit Langzeiterziehung – 5 Stunden (!!!) – in Obhut. Er unterzieht sich bei ihr schon seit 10 Jahren regelmäßig Sessions. Sie hat ihn derzeit mal geparkt. Was das heißt, werde ich gleich sehen.

Vorerst ziehe ich mir meinen neu erworbenen Lacksuit an. Spitze High Heels über die Füßchen. Fertig! Ja, so geht´s, ich sehe wie eine wirkliche Domina aus und tatsächlich, Kleider machen Leute! Ich fühle mich in meinem sehr scharfen, geilen Outfit erhaben, mächtig, dominant!

Vorab wurde bereits der Klient gefragt, ob ich die Session begleiten darf. Sie erlaubt mir schon einmal in das Zimmer zu gehen, wo Gerd gerade geparkt wird. Ich soll ihm schon mal das Gefühl vermitteln, dass er nicht allein in dem Raum ist und mich auch gleich mal vorstellen und wenn ich mag auch sanft beschäftigen…

Ich öffne die Zimmertür und trete ein. Ich sehe u.a. einen gynäkologischen Stuhl, ein seltsames Gestell, welches ich nicht zuordnen kann. Ein Bett, auf dem liegt ein Cocoon aus Zellophan. Gerd ist wie eine Mumie damit komplett umwickelt. Darunter ist er nackt. Verschwitzt. Auf dem Haupt trägt er eine Gasmaske. Aha, dass heißt also parken. Ich stelle mich (natürlich mit einem Pseudonym) vor und bedanke mich, dass ich bei der Session dabei sein darf. Wie ungerecht! Er kommt kaum zu Wort bzw. kriegt kaum einen Ton raus und nuschelt, so gut wie die Maske es zulässt, was von Hallo und dass er Gerd sei.

Ich laufe im Raum umher… um das Bett herum… Erlaube mir, ihn mit einer Gerte an den nackten Fußsohlen zu kitzeln. Frage ihn, wie er das findet, da jetzt im eigenen Sud zu „garen“. Soviel ich verstehe, sei es ein geiles Gefühl, diese schwitzige Enge.
Diondra kommt zur Tür herein. Redet liebevoll auf Gerd ein, wie brav und artig und vorbildlich er sich von seiner besten Seite zeigen würde und wie stolz sie auf ihn sei! Sie erklärt mir, warum Gerd jetzt geparkt wurde. Da er eine Langzeiterziehung gebucht hat und sie den Körper nicht durchgehend Reizen jeglicher Art aussetzen kann, so lag er jetzt anderthalb Stunden in dem „Bratschlauch“.
Sie befiehlt ihm, in einem konsequenten, dennoch liebevollen und ruhigem Ton, dass er jetzt aufstehen solle. Dieses sieht sehr mühsam aus. Der gesamte Körper ist ja mit der Folie umspannt und so scheint´s eine ordentlich anstrengende Aktion zu sein, sich aus dem Bett „herumzurobben“ um sich dann letztendlich  „hochzuhieven“.

Er steht, endlich! Wieder lobt sie ihren „Sklaven“, wie toll er das jetzt eben bewerkstelligt hat! Sie nimmt ihm die Gasmaske ab und streichelt ihm schon fast zärtlich über den Kopf und das Gesicht.
Sie nimmt die Schere und redet, als wenn sie einem kleinen Kind erklärt, was sie da jetzt macht. Sie schneidet die Folie an den Beinen auf, befreit ihn peu á peu aus der triefenden Folie. Sie fragt mich, ob ich ihn den Körper trocknen möchte. Ich frottiere seinen Körper. Immer wieder nimmt Diondra Kontakt zu Gerd auf und spricht durchweg mit liebevoller, ruhiger Stimme! Kein „Feldwebeln“, kein barsches Brüllen! Wie angenehm das abgeht…

Die Miss entpackt ein Kondom und streift es ihrem „Schutzbefohlenen“ über den Penis. Sie nimmt einen Schnürsenkel und fixiert das Gummi am Schaft. Und erklärt ihrem „Zögling“ im lieben bemutternden Ton: „Du weißt doch, dass du erst spr***** darfst, wenn es dir deine Herrin erlaubt! Keinen Tropfen, nicht wahr! Deine Herrin kann jetzt wunderbar kontrollieren, ob du ihr folgsam bist, oder dir womöglich doch etwas in den Gummi abgegangen ist!“ Dabei streichelt sie ihm den Körper und greift ihm kräftig in die Hoden. Ein stöhnendes Ächzen erfüllt den Raum.
Sie befiehlt ihm, sich auf dem Prügelbock bäuchlings zu positionieren…

Den gesamten Artikel liest Ihr in der BIZ 02/12

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