Berlin bei Nacht

Die Geschichte des Rotlichtmilieus in der Hauptstadt
1. Teil: Mittelalter bis 1900

Die Berliner Quellenlage zum Thema Prostitution ist bis den Aufzeichnungen der Polizeipräsidien 1790 dürftig. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass auch im alten Doppeldörfchen Berlin-Cölln das deutsche Gewohnheitsrecht galt, dass eine eheliche Verbindung nur mit tugendhaften und unbefleckten Jungfrauen wünschte und in dem  „Hurenkind“ als ärgstes Schimpfwort galt (nach Ernst Fidicin, Berliner Stadtarchivar).

Ein Keuschheitsgürtel / zu bewundern im Beate Uhse Museum in Berlin

Ein Keuschheitsgürtel / zu bewundern im Beate Uhse Museum in Berlin

In Berlin gab es im Mittelalter viele ehelose Geistliche, die bei den Berliner Ehemännern einen schlechten Ruf besaßen, da sie das Zölibat nicht allzu genau nahmen und dieses im kirchlichen Sinne nicht allzu hart verfolgt wurde. Daher wurden derartige Vergehen weltlich mit harten Strafen geahndet, sogar mit Enthauptungen. Auch für Ehebruch galt bis Ende des 16. Jahrhunderts die Todesstrafe, ebenso wurden zahlreiche Kuppler und Kupplerinnen, die „ehrbare Frauen“ mit vielfältigen Versprechungen in die Betten anderer lockten, verbrannt. Gefallenen Jungfrauen und unzüchtige Witwen mussten sich von den Bütteln die Köpfe als Zeichen der Entehrung scheren lassen, wurden ausgepeitscht und nicht selten aus der Stadt gejagt. Seit dem 16. Jahrhundert kam es zu einer Milderung der Gesetzeslage in Geldstrafen.

Freudenhäuser wurden zu jener Zeit moralisch als notwendiges Übel und Ableitungsmittel geduldet, allerdings mussten sie bereits ab 1407 für den Schutz des Rates halbjährlich einen „halben Schock Grosch“ an denselbigen abtreten und Dirnen wurden  ab 1486 mit einem bestimmten Schleier gekennzeichnet. Im Berliner Stadtteil befanden sich in der Rosenstraße, im Cöllner Bezirk in der Nähe der spöttisch so genannten „Jungfernbrücke“, Bordelle. Auch fahrende Weiber waren auf den Straßen, auf öffentlichen Festen und in den Badehäusern „am Krögel“ zu finden, selten in Privatwohnungen. Es gab immer wieder aufwallende Zeiten der Vertreibungen unter verschieden strengen Kurfürsten, aber auch eine beträchtliche Zunahme in Kriegs- und Armutszeiten aufgrund sozialen Elends auf Seiten der Frauen und erhöhter Nachfrage auf Seiten der Männer, vor allem der Soldateska. Auch das Heranwachsen Berlins zu einer blühenden Metropole lockte Handelsmänner, Seefahrer und Touristen an, die den Besuch von Bordellen aus anderen Städten gewohnt waren und daher eine gänzliche Abschaffung der Betriebe schon wirtschaftlich unmöglich machte.

Ab 1717 ergaben die ersten staatliche Visitation von Freudenhäusern, dass die Insassinnen häufig bereits dort als Soldatenkinder aufgewachsen waren. 1780 wurden die 100 Betriebe mit je sieben bis neun Dirnen der Steuern wegen in drei Klassen unterteilt und je nach Niveau abgerechnet. Nach der Besetzung durch französische Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts breitete sich trotz Einführung der staatlich unterstützten „Hurenheilungskasse“ die Syphilis immer weiter aus, weswegen Friedrich Wilhelm III. eine „Säuberung“ der Rotlichtbezirke veranlasste und den Wirten das Bürgerrecht entzog. Ein weiteres Problem waren die Beschwerden der Nachbarn aufgrund der nächtlichen Lautstärke, die eine Verlegung an die Königsmauer (die heutige Mauerstraße in Mitte) am Rande der Stadt nötig machte.

Eine Szene aus einem Bordell / Beate Uhse Museum

Eine Szene aus einem Bordell / Beate Uhse Museum

Im Jahre 1844 wurden nach verschiedensten Prozessen, in denen auch eine skandalöse Beteiligung von Polizeibeamten und Geistlichen nachgewiesen werden konnte, die letzten 33 Bordelle in Berlin verboten. Der Straßenstrich blieb bestehen, lief allerdings mit auswärtigen Bordelldirnen, die von Verschickefrauen gebracht wurden. Berlinerinnen verkauften ihren Körper nur, wenn sie dem Arbeitshaus entgehen wollten.
Doch mit der Gründerzeit, den Aktien- und Eisenbahngesellschaften und einem gewissen luxuriösen und gesellschaftlicheren Lebensstil der Berliner kamen mit den Kaffee-, Spiel- und Teehäusern auch Tanzlokale, Casinos und schließlich Freudenhäuser wieder in Mode. In dieser Zeit wurde es auch üblich, einen Vertrag zwischen Hure und Bordell im Beisein eines Polizeibeamtens zu schließen. Die Angestellte musste über 24 Jahre alt sein, gesund und durfte keine Kinder haben. […]

Den gesamten Artikel liest Ihr in der BIZ 06/11

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